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KOMPETENZATLAS OBERFLÄCHENNAHE GEOTHERMIE IN HESSEN

Erdwärme oder Geothermische Energie ist die in Form von Wärme gespeicherte Energie unterhalb der Oberfläche der festen Erde. Ihre Quellen sind hauptsächlich der Zerfall natürlich vorkommender radioaktiver Elemente und - nahe der Erdoberfläche - die Sonneneinstrahlung.

Diese uns quasi zu Füßen liegende Energiequelle, ist in menschlichen Dimensionen als unerschöpflich anzusehen. Steigende Energiepreise in Folge einer zunehmenden Verknappung fossiler Energieträger haben sie zunehmend in das Bewusstsein von Bauherren und Entwicklern von Heizsystemen gerückt. Von besonderem Interesse ist hierbei die oberflächennahe Geothermie bis in eine Tiefe von etwa 400 m, die sich mit der heutigen Technik relativ einfach erschließen lässt.

Die oberflächennahe Geothermie ist in der Regel nur auf einem geringen Temperaturniveau von etwa 12 °C in 100 m Tiefe vorhanden. Ohne die weitgehend ausgereifte Wärmepumpentechnik wäre ihre effiziente und Primärenergie einsparende Nutzung heute kaum möglich. Diese kann durch Aufnahme einer relativ geringen Energiemenge die im Erdreich vorhandene Wärme von einem niedrigen Niveau (beispielsweise 12 °C) auf ein zum Heizen nutzbares höheres Niveau (beispielsweise 35 °C) anheben beziehungsweise „pumpen“.

Etwa vierzig Jahre nachdem eine der ersten Erdwärmesondenanlage Deutschlands im hessischen Schwalbach-Schöffengrund errichtet wurde, hat sich die erdgekoppelte Wärmepumpe zu einem zuverlässigen und nachgefragten Heizsystem entwickelt. So werden heute bereits etwa 20% der in Hessen neu gebauten Ein- und Zweifamilienhäuser mit einer erdgekoppelten Wärmepumpe ausgestattet. Die Wärmepumpe ist somit das hierzulande am zweithäufigsten eingesetzte Heizsystem nach dem Gasbrenner. Bis heute wurden in Hessen etwa 6.000 Anlagen zur Nutzung der oberflächennahen Geothermie (bei Eingriffstiefen kleiner 400 m) errichtet – der weitaus überwiegende Teil von privaten Bauherren.

Die Gründe für den großen Erfolg der erdgekoppelten Wärmepumpe liegen klar auf der Hand: Erdwärme steht überall und jederzeit, unabhängig von Wind, Wetter und Sonneneinstrahlung, zur Verfügung. Sie ist kostenlos und grundlastfähig. Ihre Erschließung ist theoretisch auf jedem Grundstück möglich und kann zur Beheizung und selbst zur Kühlung von kleinen Wohngebäuden bis hin zu großen Bürogebäuden genutzt werden. Durch die Nutzung der regenerativen Erdwärme können Bauherren ihren Beitrag zur Primärenergieeinsparung und damit auch zum Klimaschutz leisten. Gleichzeitig können sie aber auch Heizkosten einsparen. Aus diesen Gründen ist davon auszugehen, dass die Erdwärme zukünftig eine der wichtigsten Energiequellen zur Beheizung von neu errichteten Wohngebäuden sein wird.

Die heute weitgehend ausgereiften Wärmepumpen können den benötigten Jahresheizenergiebedarf eines Gebäudes zu über 75% aus dem Erdreich oder anderen Wärmequellen bereitstellen. Den Rest steuert der in der Regel elektrische Antrieb der Wärmepumpe bei. Ein derart effizienter Wärmepumpenbetrieb mit höchsten Einsparpotenzialen setzt aber sowohl eine optimale Abstimmung von Heizenergiebedarf, Wärmepumpe und der erdberührten Anlagenteile voraus, wie auch Kenntnisse der geothermischen Standortsituation.

Den Geothermieboom begleitend hat sich in Hessen ein eigener Wirtschaftszweig von Herstellern von Wärmepumpen und Zubehör, Bohrfirmen und spezialisierten Fachplanern gebildet.